Die Stiftung im Portrait: Theresa Ruperti


Theresa Ruperti ist in der Umweltstiftung Michael Otto für Förderung und Trägerschaften zuständig. Erste Einblicke in ihre Arbeit in Bezug auf das Nachhaltigkeitsforum Hamburg finden sich hier. In diesem Portrait stellen wir Theresa, ihren persönlichen Werdegang und was sie motiviert vor.

 

Theresa, du hast Bodenmanagement und Wasserwirtschaft in Suderburg studiert. Ein Diplompraktikum hat dich nach Ägypten verschlagen, wo du in der Oase Fayum Bewässerungskanäle optimiert hast. Nach dem Studium warst du unter anderem in Südafrika im Waterberg Distrikt tätig. Südafrika war prägend für deine Liebe zur Natur und den Respekt vor ihr. Und du versuchst uns in IT-Fragen zu helfen – wofür wir dir alle immer sehr dankbar sind! Was hat dich auf deinen Weg gebracht, im Umweltschutz etwas bewegen zu wollen?

Theresa: Für mich ist Umwelt- und Naturschutz vor allem eine Gerechtigkeitsfrage. Ich will, dass meine Kinder die Natur noch ebenso genießen können wie ich, als ich aufgewachsen bin. In dieser Richtung haben mich auch meine Eltern geformt. Von ihnen habe ich gelernt, dass wir uns alle für die Gesellschaft einsetzen müssen.

 

Wie bist du zur Umweltstiftung Michael Otto gelangt?

Theresa: Ich bin Ingenieurin. Mein Fokus auf Wasserwirtschaft und Bodenmanagement passt natürlich gut zu unserem Förderschwerpunkt in der Stiftung, nämlich dem Schutz der Lebensgrundlage Wasser. Ich war die Erste in der Stiftung mit einem thematischen und praktischen Hintergrund in Bezug auf Wasser als Ressource. Deswegen wurde mir auch der Bereich Förderung übertragen. Wegen meiner Expertise als Ingenieurin konnte ich mir ein gutes Bild machen und habe die Knackpunkte in potenziellen Förderprojekten erkennen können. Ich konnte beurteilen, was gemacht werden kann und was dabei zu beachten ist, weil ich selbst ähnliche Projekte praktisch umgesetzt habe.

 

Welche praktischen Erfahrungen hast du als Ingenieurin bei Wasserprojekten sammeln können?

Theresa: In Ägypten habe ich als Teil meines Studiums Bewässerungskanäle in Fayum, einer Oase bei Kairo optimiert. Es ging bei dem Projekt darum, die Wasserverteilung sozial gerechter zu gestalten. Dabei habe ich viel über die Bedeutung von Wasser gelernt. Wasser betrifft soziale und wirtschaftliche Aspekte aller Gesellschaften. Wasserversorgung ist ein gesellschaftlicher Sachverhalt, und je mehr man sich damit auseinandersetzt, desto mehr begreift man, was alles dazu gehört und welche Konflikte damit verbunden sind.

 

Kannst du Beispiele für mögliche Konflikte nennen?

Theresa: In einem Fall ging es z.B. darum, Wasser direkt in die Häuser zu leiten. Eigentlich ein Unterfangen, von dem wir als Europäer ausgehen würden, dass dies im Interesse aller und für uns auch selbstverständlich ist. Aber die Frauen in den Dörfern haben sich vehement dagegen gewehrt, weil das Wasserholen der einzige Moment in ihrem Alltag war, an dem sie allein das Haus verlassen durften. Hier wird die soziale Komponente und die Geschlechterfrage plötzlich sehr deutlich. In Europa sind wir mit derartigen Konflikten und in dieser Intensität meist gar nicht mehr konfrontiert. Auch ich persönlich habe im Rahmen meiner Projekte erlebt, wie man als Frau diskriminiert werden kann. Das waren keine positiven Erfahrungen, aber ich habe viel gelernt, vor allem auch sehr konkret erlebt, wie komplex und politisch das Thema Wasser ist.

 

Wie ging es danach mit deinem Weg weiter?

Theresa: Im Anschluss an das Studium habe ich weiter praktisch in Kaffeeanbaugebieten in Afrika und Südamerika gearbeitet. Dabei habe ich sehr schnell gelernt, dass jedes Land seine eigenen, speziellen Probleme mit der Ressource Wasser hat. Die Probleme sind nicht immer gleich, aber sie sind immer da. Und vor allem gibt es nicht ein Problem mit Wasser, welches sich lösen lässt, sondern immer gleich mehrere, die alle im Zusammenhang miteinander stehen. Das Thema Wasser muss immer ganzheitlich betrachtet werden.

 

Wie bist du an dieses komplexe Thema herangegangen?

Theresa: Ich habe erlebt, dass die Menschen sehr aufgeschlossen sind, wenn man mit ihnen das Gespräch sucht. Egal in welchem Land, egal in welcher Sprache. Mein Spanisch und Portugiesisch sind praktisch nicht vorhanden, aber irgendwie habe ich immer einen Weg gefunden, in den Austausch zu treten. Dabei ist mir deutlich geworden, dass die Bauern vor Ort die tatsächlichen Experten in Bezug auf Wasser sind. Sie kennen ihr Land, sie wissen wo und wie viel Wasser es gibt, sie können sagen, ob der Boden gerade gut ist und vor allem: sie spüren, dass der Klimawandel da ist. Die Bauern vor Ort, das sind die Menschen, mit denen man reden muss. Die wissen manchmal noch nicht den Weg zur Lösung, aber sie wissen, was sie brauchen, und zwar ganz aus ihrem praktischen Alltag und ihrem Leben heraus. Wir müssen das Gespräch suchen mit Menschen, die tagtäglich mit den Herausforderungen des Klimawandels und der Ressource Wasser zu tun haben.

 

Welche Überzeugungen haben sich für dich aus diesen Erfahrungen heraus entwickelt?

Theresa: In Bezug auf Wasser habe ich erlebt, was es bedeutet, wenn der Zugriff darauf fremdbestimmt wird und welche tiefgreifenden Einschnitte das für das Leben der Menschen bedeutet. Ich bin daher z.B. davon überzeugt, dass es nicht gut ist, Wasser zu privatisieren. Über die Ressource Wasser lassen sich viele Probleme und Themen auf der ganzen Welt angehen. Manchmal ist zu wenig Wasser da. So kann weiträumige Abholzung z.B. dazu führen, dass es nicht mehr regnet. Manchmal ist auch zu viel Wasser da, oder es ist zu schmutzig. Da spielt Wasser auch in die Thematik des Abfallmanagements hinein.

 

Wie geht es für dich persönlich weiter?

Theresa: Ich bin ein Mensch, der gerne Chancen nutzt! Meine Idee war immer, mit dem Thema Wasser auf der ganzen Welt zu arbeiten, ein wenig habe ich schon gesehen, viel mehr bleibt mir noch offen. Nun ist es gerade Hamburg! Und mit meiner Betreuung von Trägerschaften bin ich gespannt, wie es hier für mich und die Umweltstiftung Michael Otto weitergeht!

 

Vielen Dank, dass wir dich ein wenig kennenlernen durften, Theresa!