Waldfrieden! Ein Symposium über den gesellschaftlichen Dialog zur Zukunft unseres Waldes

Am 11. November 2021 hat die Umweltstiftung Michael Otto die Debatte über die Zukunft der Wälder mit den 18. Hamburger Gesprächen für Naturschutz 2021 aufgegriffen. 

 



Wälder sind Lebensraum für Tiere und Pflanzen, bieten Holzressourcen und sind unverzichtbar für den Wasserhaushalt. Klimawandel und Artenverlust bedrohen die zunehmend ihre Zukunftsfähigkeit. Unter dem Titel „Waldfrieden! Ein Symposium über den gesellschaftlichen Dialog zur Zukunft unseres Waldes“  wurde der Frage nachgegangen, wie der notwendige Streit über einen nachhaltigen Umgang mit Wald und Forst so gestaltet wer­den kann, dass sich Blockaden lösen und eine Konsens­bildung möglich wird.
Dazu hat die Umweltstiftung Michael Otto am 11. November 2021 Expertinnen und Experten und führende Persönlichkeiten der deutschen Waldpolitik zu einem Dialog im Raphael Hotel Wälderhaus eingeladen, um Perspektiven zusammenzubringen und neue Ideen zu entwickeln. Wir haben uns im Besonderen über eine Video-Botschaft von Dr. Wolfgang Schäuble MdB zur Rolle der Politik im gesellschaftlichen Dialog gefreut sowie über ein Statement unseres Stifters Prof. Dr. Michael Otto und dem Präsidenten des NABU Jörg-Andreas Krüger.


Die vollständige Rede befindet sich in der Aufzeichnung.





Zum Hintergrund

Die Folgen des Klimawandels werden durch Extremereignisse wie Dürren und Überflutungen immer deutlicher spürbar. Ganze Ökosysteme werden in Mitleidenschaft gezogen und es entstehen Milliardenschäden. Auch die Wälder leiden. In Deutschland macht insbesondere die Trockenheit den Bäumen zu schaffen. Der Wassermangel schwächt die natürlichen Abwehrkräfte der Bäume gegen Schädlinge und extreme Wetterereignisse. Die ökonomischen Verluste sind gewaltig und die multifunktionalen Leistungen, die Wälder erbringen – z.B. als Unterstützer des Wasserhaushalts, als Holzressource oder als vielfältiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen – werden zunehmend bedroht. Während der Klimawandel der Natur und der Gesellschaft innerhalb historisch sehr kurzer Zeit gewaltige Veränderungs- und Anpassungsprozesse abverlangt, wird heftig darüber debattiert: Wie soll der Wald all diesen Ansprüchen gerecht werden?


Bei der Debatte um eine Transformation zu mehr Nachhaltigkeit stehen sich vielfältige gesellschaftliche und ökologische Ansprüche gegenüber. Auch beim Wald treffen Interessen aus Holzwirtschaft, Naturschutz, Wasserwirtschaft, Ressourcenschutz, Erholung, Tourismus und Jagd, Eigentumsschutz und Gemeinwohl aufeinander und schließen sich zum Teil sogar gegenseitig aus.
Unter diesen Rahmenbedingungen diskutieren Fachleute seit Langem und sehr intensiv, was zu tun ist, wie die Wald- und Forstwirtschaft in Deutschland zukünftig so gestaltet werden, dass gesunde und resiliente sowie ökologisch wertvolle Wälder erhalten bzw. wieder hergestellt werden können. Doch die Diskussion um eine nachhaltige Waldbewirtschaftung in Deutschland scheint mehr geprägt vom Streit als von der Suche nach gemeinsamen Lösungen.

Auf den Hamburger Gespräche für Naturschutz 2021 sind wir der grundlegenden Frage nachgegangen, wie der notwendige Streit über den richtigen Weg zu einer nachhaltigen Waldwirtschaft so gestaltet wer­den kann, dass sich Blockaden lösen und als Ergebnis der Auseinandersetzung eine breite gesellschaftliche Konsens­bildung möglich wird?

 

Ausblick: Zukunftswerkstatt Wald

Ein Element der diesjährigen Hamburger Gespräche für Naturschutz war die Vorstellung der Ergebnisse eines Dialoges derjenigen sein, welche die Zukunft des Waldes im besonderen Maße betrifft. Am 23. und 24. September 2021 führt die Umweltstiftung Michael Otto eine Zukunftswerkstatt Wald mit jungen Nachwuchsführungskräften durch. Aktuelle Informationen finden Sie auf der Seite der Zukunftswerkstatt.

 

Konkret nachhaltig! Gespräche zu Umwelt und Natur
Fragen rund um das Thema Wald behandeln wir auch in unserem neuen Dialogformat "Konkret nachhaltig!" Mit Prof. Dr. Pierre Ibisch sowie mit Prof. Dr. Christoph Leuschner diskutieren wir über die Bedeutung von Wäldern für Ökosysteme und die Herausforderungen für einen konstruktiven Dialog. 



Referentinnen und Referenten



Bild: Jürgen Sendel / Stiftung Topographie des Terrors
 

Dr. Wolfgang Schäuble

Präsident des Deutschen Bundestages


Wolfgang Schäuble wurde am 18. September 1942 in Freiburg geboren. Er ist evangelisch, verheiratet und hat vier Kinder. Schäuble studierte Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und promovierte 1971 zum Dr. jur. Seit 1972 ist Dr. Schäuble Mitglied des Deutschen Bundestages, von 1981 bis 1984 als Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Anschließend war er Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes, bevor er von 1989 bis 1991 Bundesminister des Inneren wurde. Seit 1989 ist Dr. Schäuble Mitglied im Bundesvorstand der CDU. Von 1991 bis 2000 war er Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ab 1998 zudem Bundesvorsitzender der CDU.

 

Seither ist er Mitglied im Präsidium der CDU Deutschlands. Ab 2002 war Dr. Schäuble stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Außen-, Sicherheits- und Europapolitik, bevor er 2005 erneut zum Bundesminister des Inneren ernannt wurde. Von 2009 bis 2017 war er Bundesminister für Finanzen. Am 24.10.2017 wurde Dr. Schäuble zum Präsidenten des Deutschen Bundestages gewählt. Dieses Amt hatte er bis vor Kurzem inne, bis zur konstituierenden Sitzung des neuen Bundestages am 26.Oktober 2021.




   

Franziska Dannenberg
Projektleiterin, Niedersächsische Landesforsten und Landesvertreterin, Junges Netzwerk Forst

Franziska Dannenberg wurde 1991 in Vevey in der Schweiz geboren. Nach dem Abitur in Bayern 2011 studierte sie Forstwissenschaften an der Georg-August Universität Göttingen und begann 2017 das Forstreferendariat beim Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Nach Abschluss des Staatsexamens 2019 trat sie ihre Stelle als Projektleiterin bei den Niedersächsischen Landesforsten an.

Seit Februar dieses Jahres ist Franziska Dannenberg zudem an die Landesforsten-Stiftung, die Stiftung Zukunft Wald, als stellvertretende Direktorin abgeordnet. Die Stiftung fördert vorrangig Umweltbildung und Artenschutzprojekte im Niedersächsischen Landeswald.

Ehrenamtlich ist sie seit 2019 im Jungen Netzwerk Forst (JNF) als Landesvertreterin Nordwest-Deutschland tätig. Das JNF ist die Jungendorganisation des Deutschen Forstvereins und zählt mittlerweile über 1000 Mitglieder aus verschiedensten Bereichen der Forstbranche.

 




Bild: Silke Reents
 

Prof. Dr. Gundula Hübner

Professorin für Sozialpsychologie, MSH Medical School Hamburg und Professorin, Martin- Luther-Universität Halle-Wittenberg

 

Prof. Dr. Gundula Hübner ist Professorin für Sozialpsychologie, sie lehrt und forscht an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) sowie an der MSH Medical School Hamburg. An der MLU leitet sie die Arbeitsgruppe Gesundheits- und Umweltpsychologie. Im Fokus ihrer wissenschaftlichen Arbeit stehen nachhaltiges Verhalten, die Akzeptanz erneuerbarer Energien sowie deren Auswirkungen auf die Anwohner. In ihren Projekten arbeitet sie überwiegend in interdisziplinären Teams sowie mit Praxispartnern. Bürgerinnen und Bürger werden einbezogen, z. B. zum selbstständigen Erfassen von Geräuschen der Windenergieanlagen oder bei der Bewertung von Planungs- und Visualisierungsverfahren. Forschungsergebnisse für die Praxis nutzbar zu machen, ist ihr ein wichtiges Anliegen.

Sie ist u.a. langjähriges Mitglied der Task 28 zur sozialen Akzeptanz der Windenergie im Rahmen der Internationalen Energieagentur und Beiratsmitglied des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende (KNE). 



  Dr. Christiane Paulus
Leiterin der Abteilung Naturschutz und nachhaltige Naturnutzung, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit 

Christiane Paulus studierte Biologie an der Universität Bonn, an der sie auch zum Dr. rer. nat promovierte, und ist dem Schutz von Natur und Umwelt seit nunmehr über 25 Jahren in verschiedenen Funktionen verbunden.

Nach Stationen als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der J. Nehru Universität in Delhi und bei der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zum „Schutz der Erdatmosphäre“, trat Christiane Paulus den Dienst im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) an. Neben verschiedenen Tätigkeiten als Referentin arbeitete sie im Sekretariat der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), um dort eingehende Erfahrungen im internationalen Klima- und Umweltschutz zu sammeln.


Ab 2003 leitete sie die Referate „Spezifische internationale Naturschutzkonventionen“ und „Gebietsschutz, Natura 2000, Meeresnaturschutz“, ab 2014 die Unterabteilung „Naturschutz“ im BMU. Im Januar 2019 wurde sie von Bundesministerin Schulze zur Leiterin der Abteilung „Naturschutz und nachhaltige Naturnutzung“ ernannt.



 

Prof. Dr. Christian Ammer

Dekan, Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie, Georg-August-Universität Göttingen

 

Christian Ammer, Jahrgang 1962, studierte Forstwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München, gefolgt von Promotion (1996) und Habilitation (2001). Nach verschiedenen Funktionen in der Bayerischen Forstverwaltung wurde er 2007 als Professor für Waldbau und Waldökologie der gemäßigten Zonen an die Universität Göttingen berufen. Seine Forschungsgebiete umfassen die Anpassung von Wäldern an den Klimawandel, die Auswirkungen der Waldbewirtschaftung auf die Biodiversität und verjüngungsökologische Fragestellungen. Christian Ammer ist derzeit Dekan der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Universität Göttingen und seit 2020 auch Präsident der Gesellschaft für Ökologie Deutschlands, Österreichs und der Schweiz.

 


Bild: Zoologische Gesellschaft Frankfurt
 

Nico Eidenmüller
Referent für Waldschutz, Zoologische Gesellschaft Frankfurt e.V.

 

Nico Eidenmüller, Jahrgang 1987, absolvierte nach dem Fachabitur zunächst eine Berufsausbildung zum Gärtner im Garten- und Landschaftsbau. Seine akademische Ausbildung nahm er 2009 an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH) mit dem Studium des International Forest Ecosystem Management (B.Sc.) auf. Nach Auslandspraktika in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Wald- und Biodiversitätsschutzprojekten in Bangladesch und Nepal führte ihn sein Weg 2014 nach Wien, an die Universität für Bodenkultur, zum Studium der Forstwissenschaften (M.Sc.).

Seit 2018 arbeitet Nico Eidenmüller als Referent für Waldschutz bei der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt im Referat Europa. Im Rahmen seiner dortigen Tätigkeit setzt er sich für mehr Naturwälder und Wildnis in Deutschland ein.

 




Bild: Die Hoffotografen
 

Jörg-Andreas Krüger
Präsident, NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.


Jörg-Andreas Krüger wurde auf der Bundesvertreterversammlung des NABU in Berlin am 9. November 2019 zum Präsidenten gewählt. Zuvor war Krüger sechs Jahre als Geschäftsführer „Ökologischer Fußabdruck“ beim WWF tätig. Von 2004 bis 2013 war er NABU-Fachbereichsleiter für Naturschutz- und Umweltpolitik, ab 2010 zusätzlich stellvertretender Bundesgeschäftsführer. Mitglied im NABU ist Jörg-Andreas Krüger bereits seit 1982.



   

Hans-Caspar Graf zu Rantzau
Vorsitzender, Schleswig-Holsteinischer Waldbesitzerverband e.V

Hans-Caspar Graf zu Rantzau, geb. 22.9.1960 in Kiel, als zweites Kind von drei Geschwistern, wuchs auf dem elterlichen Gut Pronstorf bei Lübeck auf.

Graf Rantzau schloss eine zweijährige landwirtschaftliche Lehre ab. Das daran anschließende Studium endet im Jahr 1990 an der Universität für Bodenkultur in Wien. Es folgte eine etwa dreijährige Tätigkeit im Holzhandel in Bielefeld. 1996 übernahm Graf Rantzau das elterliche Gut Pronstorf auf dem er seitdem kontinuierlich die Weiterentwicklung der Betriebszweige Ackerbau, Waldbau und Fischerei vorantreibt.

 

Graf Rantzau ist ehrenamtlich tätig in der Kommune, der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und für das Schleswig-Holstein Musikfestival.




Bild: DGNB e.V.
 

Jürgen Utz

Abteilungsleiter DGNB AkademieDeutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.

 

Jürgen Utz hat Biologie an der Universität Konstanz und Architektur an der Universität Stuttgart studiert. Nach Abschluss als Dipl.-Ing. 2009 war er fünf Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Grundlagen der Planung der Fakultät für Architektur und Stadtplanung tätig. Während dieser Zeit war Herr Utz in Forschung und Lehre zum Lösen komplexer Probleme aktiv, unter anderem auch an der TU Wien und ETH Zürich. In 2012 erfolgte die Gründung von h&u consult mit dem Schwerpunkt bei Forschung und Beratung im Bereich der Klimawandelanpassung in der Stadt- und Raumplanung, unter anderem für das Land Baden-Württemberg. Seit 2015 ist er bei der DGNB, seit 2017 als Abteilungsleiter der DGNB Akademie (DGNB GmbH) verantwortlich für alle Fort- und Weiterbildungen.

Die DGNB Akademie bildet das ganze Themenspektrum der Nachhaltigkeit im Bau- und Immobilienbereich ab und hat über 5000 Expert*innen weltweit ausgebildet. Darüber hinaus betreut Herr Utz für die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) das Thema der „Digitalen Transformation“ und ist als Redner in verschiedenen Kontexten aktiv.

 
 



Bild: Ben Knabe
 

Moderation:
Johannes Büchs

Journalist und Fernsehmoderator

 

Johannes Büchs ist Moderator für die „Sendung mit der Maus“ und „Kann es Johannes?“ im Ersten und KiKa. 2012 und 2019 wurde er für den Grimme-Preis nominiert, 2013 mit dem DGE-Journalistenpreis ausgezeichnet, und 2014 erhielt er den UmweltMedienpreis sowie für das von ihm mitentwickelte Format „Kann es Johannes?“ den Goldenen Spatz.

 

Neben seiner journalistischen Tätigkeit trainiert Johannes Büchs Führungskräfte zu den Themen Präsentation, Storytelling und Medienarbeit. Er absolvierte die Train-The-Trainer Module der ARD.ZDF-Medienakademie und kann auf einen reichen Erfahrungsschatz von über tausend Trainings mit Executives, Experten*innen, Startups und Redner*innen zurückgreifen.